Anus Praeter
Anus praeter ist die Sammelbezeichnung für einen künstlichen Darmausgang, der operativ angelegt wurde.
Dieser ist leider bei manchen Erkrankungen unumgänglich.
Die Indikationen (Grund) für die Anlage ist, wenn Teile des natürlichen Darms stillgelegt oder entfernt werden müssen oder auch der Ausgang (After) nicht vorhanden ist.
Je nach Lokalisation, wo die Anlage des
Stomas (Öffnung, Mund) erfolgen muss, werden unterschiedliche Bezeichnungen gewählt.
Von einer Ileostomie spricht man, wenn die Anlage im Bereich des
Ileums (Krummdarm, unterer Dünndarm) erfolgt.
Eine Kolostomie ist eine Stomaanlage im Bereich des
Kolons (Dickdarm). Dort wird dann nochmal unterschieden in Zökostomie= Zökalfistel ( Blinddarm, liegt am rechten Unterbauch), Transversostomie (Querdarm, liegt am rechten oder linken Oberbauch),
Deszendostomie (absteigender Dickdarm, liegt am linken Mittelbauch) und
Sigma-Kolostomie (S-Darm, linker Mittelbauch)
Man unterscheidet das endständige und das doppelläufige Stoma.
Ist der Anus praeter für immer, wird ein endständiges
Stoma angelegt. Dies ist der Fall, wenn der restliche Darmabschnitt oder der After entfernt werden muss oder eine nicht reparable Stuhlinkontinenz besteht. Der Darm endet dann mit dem Stoma. Es befindet sich nur eine Öffnung in der Bauchhaut, aus der auch der Stuhl austritt.
Muß ein Teil des Darmes für eine gewisse Zeit entlastet werden, so wird ein doppelläufiges
Stoma angelegt. Der Darm wird dabei an entsprechender Stelle einseitig durchtrennt. Es entstehen zwei Darmschlingen; eine zuführende (
proximale) und eine abführende (
distale) Darmschlinge (dies ist die zu entlastende). Der Stuhl kommt aus der zuführenden Schlinge. Aus der Abführenden und dem After werden die im Darm produzierten Schleim-und Zellenabsonderungen ausgeschieden.
So ein doppelläufiges
Stoma wird in der Regel bei Erkrankungen wie
Morbus Hirschsprung, schwerer
NEC oder auch schwerer
Invagination angelegt.
Was wird bei meinem Kind vor der Operation gemacht?
Vor einer Anus praeter Anlage gilt es, wie vor jeder OP, eine Nahrungskarrenzzeit einzuhalten. Das heißt, dass das Kind in einem bestimmten Zeitrahmen vor der OP nichts mehr zu sich nehmen darf. Denn zum einen muss der Darmtrakt "sauber" gehalten werden und zum anderen besteht sonst die Gefahr der
Aspiration während der Operation (Mageninhalt gelangt durch die erschlaffte Muskulatur aus dem Magen zurück in die Speiseröhre und von dort aus in die Lungen, was zu schweren Komplikationen führen kann)
Um aber einen Flüssigkeitsverlust mit dessen weiteren Folgen entgegen zu wirken bekommt das Kind einen Venenzugang gelegt, über den es mit einer
Infusion versorgt wird, die den Gegebenheiten angepasst ist. Meist handelt es sich dabei um eine 5%ige Glukoselösung. Den genauen Zeitpunkt, wann Dein Kind das letzte mal essen und trinken darf wird Dir zuvor vom Arzt mitgeteilt.
Da es sich um eine Darmoperation handelt muss auch dieser vorher gründlich gereinigt werden. Je nach Erkrankung und Zustand des Darms wird dies durch einen Einlauf bzw. eine Magen-Darm-Spülung geschehen. Ansonsten wird der Operateur dies individuell handhaben.
Es wird eventuell ein weiterer Venenzugang gelegt, über den Blut abgenommen wird. Zur Vorsorge werden spezielle Blutwerte kontrolliert.
Außerdem wird es einmal komplett untersucht, Größe und Gewicht ermittelt, die Lunge abgehört...
Eventuell wird noch ein aktuelles Röntgenbild vom Darm gemacht.
Um den Kindern die Angst zu nehmen, sie etwas ruhiger zu machen, wird vor einer Operation eine Prämedikation verabreicht. Diese besteht aus einem
Sedativum (Beruhigungsmittel) und einem Analgetikum (Schmerzmittel). Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Kinder nach der Operation nicht mehr an das Geschehene erinnern können, also keine schlechten Erinnerungen an die Narkoseeinleitung bleibt.
Ein genaues Aufklärungsgespräch sowie der Ablauf wird Euch aber zuvor noch durch den Arzt und das Pflegepersonal mitgeteilt.
Und was ist nach der Operation?
Auch hier gelten die allgemeinen Überwachungsbedingungen, wie Atmung, Puls, Blutdruck, Temperaturkontrollen, Sauerstoffsättigung, Bewußtseinszustand.
Es kann vorkommen, dass Dein Kind noch eine Weile intubiert und beatmet bleibt, auch wenn es das vor der Operation nicht brauchte.
Vorerst wird die Flüssigkeitszufuhr weiter über die Dauertropfinfusion erfolgen, um den Magen-Darm- Trakt nicht zu sehr zu belasten. Dies ist meist für einige Tage der Fall. Nach Einsetzen der Darmperistaltik wird mit dem Nahrungsaufbau langsam und vorsichtig begonnen.
Über das Wie entscheidet der behandelnde Arzt. Bei Neugeborenen und
Säuglingen wird in der Regel mit Tee oder Glukoselösung angefangen. Wird dies gut vertragen geht es langsam weiter.
Der normalen Aufnahme von Muttermilch oder Säuglingsnahrung steht später nichts im Weg. Aber auch hier werdet Ihr durch die behandelnden Ärzte genau aufgeklärt, falls es doch irgendwelche Einschränkungen geben sollte.
Die Beobachtung der Stuhlbeschaffenheit und der Menge, sowie das Abgehen von Blähungen ist von Bedeutung.
Außerdem wird eine genaue Schleimhautbeobachtung durchgeführt. Die Schleimhaut des
Stomas sollte hellrot bis rot sein, was auf eine gute Durchblutung hinweist.
Auch die Haut um das
Stoma herum wird regelmäßig aufs Aussehen und den Zustand beurteilt. Denn es kann gerade auch am Anfang durch verschiedene Faktoren zu Hautrütungen kommen.
Stuhlkonsistenz (Beschaffenheit) bei einem angelegten Anus praeter:
Da ein
Stoma keinen Schließmuskel besitzt, fließt der Stuhl kontinuierlich ab. Bei größeren Kindern kann nach einigen Wochen nach Anlage des
Stomas ein Darmtraining erfolgen, was allerdings sehr mühsam ist.
Nach der Operation treten blutige Absonderungen aus.
Bei einem Ileostoma tritt enzymhaltiges, wäßriges Sekret aus, was zu starken Hautläsionen führen kann. Es wird viel ausgeschieden.
Bei einem rechtsseitig angelegtem Kolostoma wird flüssiger Stuhl entleert, da es erst am Anfang des Dickdarms ist.
Durch die im
Kolon stattfindende Wasserresorption (Aufnahme des Wassers aus dem Stuhl) ist bei einem linksseitig angelegtem
Stoma der Stuhl weich bis geformt.
Kommt es zu Obstpationssymptomen (Verstopfung), so muss der Darm ggf. mit Kochsalzlösung angespült werden. Aber auch das wird Euch dann das Pflegepersonal genau zeigen und erklären.
Stomaversorgung
Das Versorgungsmaterial wird
immer individuell gewählt. Je nach Art des Stomas, Hautbeschaffenheit und -Verträglichkeit, Anforderungen und persönlichen Wünschen.
Es gibt Einteilige und Zweiteilige Systeme. Diese bestehen
immer aus einer Hautschutzplatte und einem Beutel, in dem der Stuhl aufgefangen wird. Zumindest anfangs ist der Beutel klar- durchsichtig, um gut beurteilen zu können.
Beim einteiligen System sind die Hautplatte und der Beutel untrennbar miteinander verbunden. Das bedeutet, dass bei jedem Beutelwechsel auch die Halteplatte gewechselt werden muss, was wiederum schnell zu Hautreizungen führen kann.
Beim zweiteiligen System sind die Hautplatte und der Beutel getrennt und werden durch einen Rastring oder Klebering miteinander verbunden. So kann ein Beutelwechsel ohne entfernen der Halteplatte gewechselt werden. Dieses System hat einen Kohlefilter, durch den Blähungen geruchsfrei entweichen können und den Beutel auch nicht aufblähen.
In der Regel werden Ausstreichbeutel verwendet. Das heißt der Beutel hat unten eine Öffnung, die durch drehen um eine Verschlußklemme verschlossen wird. Der Vorteil ist die Wiederverwendbarkeit des Beutels. Der Stuhl und die Luft werden einfach ausgestrichen.
Zum richtigen Anpassen der Hautplatte wird das
Stoma mit Hilfe einer Schablone ausgemessen. Danach wird die Platte, auf der eine Skalierung aufgezeichnet ist, zugeschnitten. Für die richtige Größenabmessung wird beachtet, dass das
Stoma nicht eingeengt, die Haut drumherum aber auch nicht unbedeckt bleibt. Denn sonst könnte es durch Benetzung mit dem Stuhl zu Hautirritationen kommen.
Gereinigt wird das
Stoma und die Umgebung vorsichtig mit Wasser und milder Seife.
Die Reinigungsrichtung muß dabei
immer von außen nach innen sein, also von der Haut zum
Stoma hin. So wird verhindert, dass eine Hautverschmutzung entsteht, die eine Infektion zur Folge haben kann.
Später können unterwegs auch Baby-Feuchttücher verwendet werden.
Wird nur der Beutel gewechselt und nicht die Halteplatte, so kann auch das
Stoma vorsichtig mit einer mit
NaCl 0,9% befeuchteten Kompresse säubern.
Außerdem ist es ratsam das
Stoma nach der Reinigung durch das Auflegen einer Kompresse mit angewärmten
NaCl 0,9% an zu feuchten, um ein Austrocknen der Schleimhaut zu verhindern.
Pflasterreste der Hautplatte müssen vorsichtig entfernt werden. Nach der Reinigung und sorgfältigem Trockentupfen oder Föhnen der Umgebung die Haut mit einer speziellen, nicht fettenden Hautschutzcreme versorgen. Diese wird vom Arzt verschrieben.
Beim Anlegen der Hautschutzplatte ist es ratsam diese erst innen und dann außen an zu drücken.
Vor Anlage des Beutels die Beutelflächen etwas auseinander ziehen, damit etwas Luft in den Beutel gelangen kann und die Innenflächen nicht mehr aneinander kleben. So kann der Stuhl bis in den unteren Teil des Beutels gelangen.
Sind die Wundränder nach der Neuanlge abgeheilt, ist das
Stoma keine Wunde mehr.
Der zuführende Darm arbeitet je nach Nahrungszufuhr genauso wie vor der Operation.
Auch das Baden und Duschen kann ohne Probleme wieder genossen werden.