Bronchopulmonale Dysplasie (BPD)

Hier findest du mögliche Komplikationen bei Frühchen genauer erklärt

Moderator: Katharina

Bronchopulmonale Dysplasie (BPD)

Beitragvon Katharina » 27.12.2008 22:00

Die Bronchopulmonale Dysplasie ist eine chronische Atemwegserkrankung, die mit einer Abhängigkeit von Beatmung und oder Sauerstoffzufuhr über den 28.Lebenstag hinaus verbunden ist.
Sie betrifft überwiegend extreme Frühgeborene, da diese durch das Atmenotsyndrom indiziert oft lange von der künstlichen Beatmung mit zusätzlicher Sauerstoffgabe abhängig sind.

Allerdings gibt es mehrere begünstigende Faktoren :
° Unreife
° Beatmung mit hohen Drücken
° interstitielles Emphysem (Überblähung der Alveolen)
° Pneumothorax (Ansammlung von Luft in der Pleurahöhle)
° hohe Sauerstoffzufuhr
° Barotrauma ( durch rasche Luftdruckveränderungen, z.B. bei starkem Bebeuteln, kann es zur Schädigung des Gewebes kommen- hier des Lungengewebes)
° Persistierender Ductus Arteriosus (PDA)
° wiederkehrende (rezidivierende) oder chronische Entzündungen des Lungengewebes


Bei der BPD ist ein optimaler Gasaustausch nicht mehr gewährleistet und die Belüftung der Lunge ist eingeschränkt, denn die Wände der Alveolaren und Bronchiolen sind durch Gewebeumbau vernarbt und verdickt. Dadurch wird die Atemarbeit erhöht und die Anfälligkeit für Infekte steigt.


Symptome sind u.a.:
° Dyspnoe (Atemnot) und Einziehungen- sternal und interkostal, ängstlicher Gesichtsausdruck
° grau- blasses Hautkolorit, schnelle Zyanose - v.a. bei Anstrengung und Aufregung
° erhöhte Sekretproduktion
° schnelles Schwitzen, Kaltschweißigkeit, Ödeme, kühle Extremitäten
° Dystrophie/ Gewichtsstillstand bzw -verlust (durch die vermehrte Atemarbeit, die gleichzeitig einen erhöhten Kalorienverbrauch mit sich zieht)



Die BPD wird nach röntgenologischem Befund und Symptomatik in verschiedene Schweregrade eingeteilt.



Da es keine generelle Therapie der BPD gibt wird durch geziehlte Maßnahmen symptomatisch behandelt.

Zum einen geht es natürlich darum einer BPD möglichst lange vorzubeugen bzw die Folgen so gering wie möglich zu halten.
°Dies geschieht u.a. durch die medikamentöse Lungenreife, der Surfactantgabe und dem frühzeitigen Verschluß eines bestehenden PDA.
°Außerdem wird die Beatmung möglichst mit niedrigem Beatmungsdruck eingestellt und die Sauerstoffgabe so gering wie möglich gehalten. Es wird versucht das Kind so schnell wie möglich von der Beatmung zu entwöhnen und lieber eine Atemunterstützung durch einen Nasen-CPAP anzubieten.
°Eine genau überwachte und individuell angepasste Sauerstoffzufuhr ist auch nach der Extubation wichtig, um eine gute Oxygenierung zu erreichen und Bronchospasmen (Verkrampfung der Bronchien) zu verhindern.
°Um die Lungenfunktion zu verbessern und die sich häufig in der Lunge bildende Gewebeflüssigkeit zu minimieren werden Diuretika eingesetzt. (Oft zur Langzeittherapie Aldactone)
°Zur Erweiterung der Bronchien wird Theophyllin/Koffein eingesetzt, es hemmt die Ödembildung und die Freisetzung körpereigener entzündungsfördernder Substanzen.
Zudem werden Inhalationen mit medikamentösen Zusätzen angeordnet. Meist handelt es sich hier um Salbutamol (z.B. Salbutamol/Sultanol) und Ipratropiumbromid (z.B. Atrovent). Auch Kortikosteroide (wie Pulmicort) werden zur Unterstüzung, verbesserung der Lungenfunktion eingesetzt.
°Die Flüssigkeitszufuhr wird gedrosselt, die Kalorienzufuhr erhöht sowie die Nahrung auf mehrere kleine Portionen aufgeteilt, um u.a. Erbrechen zu verhindern und die Anstrengung gering zu halten.
Dabei wird die erste Zeit eine Bilanzierung durchgeführt, das heißt, dass genau geguckt wird, wieviel das Kind zu sich nimmt (Nahrung, Infusionen, Medikamente..) und wieviel das Kind ausscheidet. Zudem wird täglich gewogen und natürlich eine genaue Hautbeobachtung durchgeführt. Dadurch kann schnell eine Veränderung erkannt und dementsprechend gehandelt werden.
°Physiotherapie durch Fachpersonal zur Verbesserung und Erleichterung der Atmung und des Abhustens
°bei Bedarf Verabreichung von Antibiotika
°genaue Beobachtung des Kindes- Allgemeinzustand sowie die Überwachung von Puls, Atemfrequenz und der Sauerstoffsättigung
°Oberkörperhochlagerung zur Atemerleichterung

°Zur Pflege gehört außerdem angemessene Baumwollkleidung, da die Kinder, wie schon beschrieben, schnell schwitzen und durch die vermehrte Atemarbeit zu höheren Körpertemperaturen neigen..Die erhöhte Atemarbeit führt zu Streß.
Auch Massagen und Lagerungen auf weichen Materialien oder in der Hängematte tragen zum Wohlbefinden der Kinder bei. Denn durch die Atemnot kommt es zu Angst und Unruhe.

Da sich die Behandlung und somit auch der Krankenhausaufenthalt bei einer BPD oft länger hin zieht spielt die Förderung von physiologischen Bewegungsabläufen, Kommunikation und das Spiel eine wichtige Rolle, um die motorische und geistige Entwicklung zu unterstützen.
Hier können sie als Eltern einen wichtigen Part übernehmen.
Sie werden so schnell und gut es geht in die Pflege mit einbezogen und angeleitet. Aber scheuen sie sich trotzdem nicht zu fragen und auch Ihre Ängste an zu sprechen.

Generell benötigen Kinder mit einer BPD viele Erhohlungsphasen sowie viel Geduld und Einfühlungsvermögen.


Je nach Ausprägung der BPD kann die Sauerstoffabhängigkeit des Kindes über Monate bis zu einigen Jahren bestehen.
Meist "wächst" sich die BPD allerdings im ersten Lebensjahr aus, so dass die zusätzliche Sauerstoffgabe immer mehr ausgeschlichen werden kann.
In der Regel müssen die Kinder noch über einen gewissen Zeitraum Medikamente nehmen (z.B. Diuretika)und vor allem Inhalieren- um die Stärkung und Erweiterung des Lungengewebes zu sichern, Infekten vor zu beugen und die Atmung zu verbessern. Die höhere Infektanfälligkeit bleibt leider bestehen.
Der Nahrungsaufbau verläuft ähnlich der bei Gleichaltrigen, soweit es das Kind zu lässt, jedoch mit Zusätzen von Spurenelementen und Vitaminen sowie von zusätzlichen Kalorien.

Aber auch mit Sauerstoffabhängigkeit werden die Kinder nach Hause entlassen, meist mit einem ambulanten Kinderkrankenpflegedienst zur Unterstützung.
Zu Hause geht es den Kindern meist besser und sie genesen schneller.
Durch individuelle Förderung, auch mit Physio- und Ergotherapie, kann sich auch ein Kind mit BPD normal entwickeln und später mit gleichaltrigen Kindern durchaus mithalten.
GlG Rina

Wer sagt, es gibt keine Wunder auf dieser Erde,
hat noch nie die Geburt eines Kindes erlebt.
Wer sagt, Reichtum ist alles,
hat noch nie ein Kind lächeln gesehen...
(R.Becker)
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